Es hat ein neues Jahr begonnen. Neues Jahr, neues Glück. Aber mit der neuen Zahl am Ende des Datums ändern sich per se keine Lebensrealitäten. Klar, man kann sich gute oder schlechte Vorsätze vornehmen, neue Pläne schmieden und Träume fliegen lassen. Doch ein Thema wird bei einem konkreten Teil der Lebensplanung auch dieses Jahr im Vergleich zu 2016 nicht viel anders sein. Ein Teil, der jeden einzelnen Menschen individuell betrifft, sowie unsere Gesellschaft als Ganzes – von der Politik bis hin zu Unternehmen: Die hohe Kunst der Brutpflege.

Jeder, der sich irgendwann dieser großen Frage der Familiengründung widmet, kommt ziemlich schnell zu dem Punkt, wie die Betreuung des Nachwuchses zu regeln sein soll. Wie lange soll und kann wer daheim bleiben, wie viel Fremdbetreuung soll und kann es sein? Dieses hin und her zwischen soll und kann spielt sich dabei an drei Fronten ab – und ja, es sind Fronten:

Das Kreuz mit der Flexibilität

Zum einen zwischen Unternehmen und Politik: Karenzzeiten werden in Unternehmen nicht immer gern gesehen. Jemand Neues muss eingeschult werden und im Falle Frau kommt man dann auch nur in Teilzeit zurück ins Unternehmen. Aber nicht nur Teilzeit, sondern auch noch weniger flexibel in der Arbeitszeitgestaltung, weil Betreuungspflichten. Und Männer, die in Karenz gehen sollten. Also, das muss jetzt wirklich nicht sein. Bei einer Frau, die man einstellt, rechnet man ja noch irgendwie damit und kalkuliert das vielleicht – bewusst oder unbewusst – in die Planung rund um Teamgestaltung und Führungspositionen mit ein. Aber wenn jetzt auch noch die Männer anfangen für länger als ein paar Wochen in Karenz zu gehen, kann man sich ja bei gar keiner Arbeitskraft mehr sicher sein … da wäre es doch besser, wenn die Frauen dann einfach gar nicht mehr so wirklich zurückkommen und eben ganz daheim bleiben. Ist ja auch im Sinne der Brut. Solange wie es eben geht. Und ein paar Stunden funktioniert dann neben der Schule eh wieder. Assistenzjobs allemal. Kann das wirklich sein? Wollen wir so mit der Hälfte der Bevölkerung und Wählerschaft umgehen? Nein. Deswegen versucht die Politik die letzten Jahre hier entgegenzusteuern. Mit Papamonat, Ausbau der Kinderbetreuungsplätze, die von Jahr zu Jahr ansteigen und damit auch den Wiedereinstieg von Frauen begünstigen. Und dass das nicht per se zum Nachteil von Unternehmen sein muss, dafür gibt es bereits genügend Beispiele. Es kommt darauf an, was die Unternehmen daraus machen. Und mit dem Ignorieren, dass Menschen in der Mitte ihres Lebens nun einmal doch vielleicht auch Familien gründen wollen und damit eine Mehrbelastung auf sich nehmen, löst sich das Thema nicht einfach auf. Es ist notwendig für uns als Gesellschaft, dass man diese Lebensrealität nicht vom Erwerbsleben abkoppelt und dass sich jedes Unternehmen darüber bewusst ist, dass, egal oder männlicher oder weiblicher Mitarbeiter, auch in dieser Frage eine gesellschaftliche Gesamtverantwortung hat, die sich auch auf Dauer rechnen kann. Denn ArbeitnehmerInnen, die sich keine existentielle Sorgen machen müssen, kosten das Unternehmen weniger, weil sie im Durchschnitt gesünder und effizienter ans Werk gehen können.

Aber das gehört sich doch nicht so

Aber egal wie viele Angebote und Varianten es gibt, wie sich Paare entscheiden könnten. Sie sind noch immer unüberhörbar: Diese vielen Stimmen, die zwar nichts dagegen haben, dass die Frauen wieder arbeiten. Aber die Kinder vernachlässigen sollte man nicht! Aber wann vernachlässigt man denn seine Kinder? Wenn man nicht jeden Tag für sie kocht? Wenn man sie zwei oder drei Stunden länger mit ihren Freunden in einer Betreuungsstätte spielen lässt? Oder ist es sinnvoller die Kinder nach Hause zu holen und dann in ihren Zimmern alleine zu lassen oder vor den Fernseher zu setzen, während die Mutter verzweifelt versucht die traute Brutstätte sauber zu halten? Es sind plakative Bilder die hier gezeichnet werden. Und ja, es gibt sehr viele Beispiele, die ein anderes Bild zeichnen. Aber ganz ehrlich – schaut euch mal in eurem näheren Umfeld um. Und seht genau hin. Und selbst wenn man sich vielleicht für ein anderes Szenario entscheiden sollte, gibt es dann doch noch den fahlen Beigeschmack, wie sich dieses noch vorherrschende gesellschaftliche Bild auch in der Gesetzgebung widerspiegelt: Je länger die Frau ganz beim Nachwuchs bleibt, desto vorteilhafter fallen die Bezüge aus, was unter anderem auch an den Einkommensunterschieden zwischen Männern und Frauen liegt.

Liebling, das mach ich schon

Doch es gibt neben den Regeln und gesellschaftlichen Vorstellungen noch etwas, wo sich jeder selbst an der Nase nehmen kann, der Nachwuchs in die Welt setzen will: Die Ebene zwischen Mann und Frau. Es stimmt natürlich, dass Frauen im Laufe ihrer Schwangerschaft massiver hormoneller – nennen wir es mal – Umgestaltungen unterworfen sind. Aber das macht sie nicht per se zu den biologisch bedingten natürlichen Brutpflegern. Und Frauen können diese emotionalen Umwälzungen auch für sich selber durchaus hinterfragen und auch überlegen, ob es wirklich Sinn macht, was einem das Bauchgefühl so sagt. Und nein, die engste Familie muss nicht per se die beste Fremdbetreuung für den Nachwuchs sein. Und genau so dürfen sich die Männer nicht das Recht nehmen lassen, ihre Kinder kennenzulernen. Denn klar, ist schon ziemlich gruselig so ein kleines Geschöpf im Arm zu halten und nicht so recht zu wissen, was man mit dieser Vaterrolle anfangen soll. Aber auch wenn das Kind sich in dem Stadium nicht artikulieren kann, hat es doch Charakter. Und einem Menschen in dieser Phase kennenzulernen und zu betreuen kann man mit nichts ersetzen. Besonders, wenn man sich Kinder wünscht und bewusst für die Familiengründung entschieden hat. Das stärkt auf lange Sicht gesehen auch die Beziehung der Partner. Auch sollte es im Sinne des Mannes sein, dass seine Parterin wieder zurück in einen beruflichen Alltag findet. Denn nicht nur ist das Risiko damit für die Familie geringer, beim Verlust des Jobs des Mannes ganz ohne Einkommen dazustehen. Auch die Frau kann sich wieder als eine Persönlichkeit mit Fähigkeiten außerhalb ihrer Mutterrolle erleben. Und  zu guter Letzt gestaltet sich auch die geteilte Betreuung in den Jahren nach der Karenz einfacher, weil sich durch die frühen Erfahrungen mit dem Nachwuchs im Idealfall beide Partner mit der Betreuung neben Berufstätigkeit nicht überfordert fühlen. Verantwortung teilen. Sowohl privat als auch im Berufsleben. Sowohl für Gesellschaft als auch für Unternehmen. Punkt.

 

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *