Kernkraftwerke liefern in vielen Industriestaaten nach wie vor einen großen Teil der benötigten Energie. Das ist kurzsichtig und wird uns noch vor viele schwierige Probleme stellen.

Man kennt das. Man will was. Die Konsequenzen sind noch so weit weg. YOLO, soll sich doch der Zukunfts-Meier drum kümmern, dann, wenn das Leben sowieso nicht mehr so lustig ist. Bauen wir doch Atomkraftwerke.

Spoiler-Alert: Blöde Idee. Atomkraft ist nie so wirklich toll. Ich bin wirklich von ganzem Herzen froh darüber, dass es in Österreich kein Kernkraftwerk gibt. Das war wahrscheinlich die beste Entscheidung, die hier jemals getroffen wurde. In der Welt, in Europa, ja, bei unseren direkten Nachbarn hingegen, gibt es diese Kraftwerke.
Dass der Meier vielleicht hin und wieder Lasten auf sein Zukunfts-Ich auslagert, ist nicht gut, aber (vermutlich) auch nicht katastrophal. Bei Radioaktivität ist die Sache vollkommen anders.

Und ich rede jetzt noch nicht mal über Atomwaffen, die in Panik oder in dummem Wettrüsten gebastelt wurden und die wie ein Damoklesschwert über jedem internationalen Konflikt baumeln. Ich rede über die parlamentarischen Entscheidungen, Kernenergie nutzen zu wollen. Sauber nennt man diese Energie noch manches Mal. Und klar: bei der Produktion mag sie tatsächlich „sauberer“ sein, als Kohlekraftwerke, vielleicht auch umweltverträglicher als Wasserkraftwerke, effizienter als Windkraft-Anlagen, ABER, und dieses „aber“ versetzt mich jedes Mal, wenn ich darüber nachdenke, in Schockstarre: wir haben allesamt keine Ahnung, was mit dem radioaktiven Müll passieren soll, der sicher verwahrt werden muss und der wirklich alles andere als „sauber“ ist.
Derzeit wird der alle paar Jahre von Zwischenlager zu Zwischenlager gebracht. Das kostet Milliarden, aber ums Geld soll es hier jetzt gar nicht gehen. Das ist auch jedes Mal ein immenses Risiko. Manchmal werden Zwischenlager auch vergessen. Dann rosten Fässer mit radioaktivem Inhalt einfach weg. Und klar, Endlager zu finden ist nicht einfach. Diese müssen Jahrtausende die Radioaktivität aushalten, sollten keiner weiteren Wartung bedürfen, müssen natürlich auch aktiven Angriffen standhalten, ebenso wie Erdbeben und Ähnlichem. Aber es überrascht mich, gelinde gesagt, dass man darüber nicht vorher nachgedacht hat. Das ist nämlich keine von diesen Situationen, wo man locker lässig sagen kann: Ach, darüber denk ich dann in 20 Jahren nach, ich will jetzt billigen Strom. Das ist vielmehr eine von den Situationen, wo man den Splint aus der Handgranate zieht, weil der so schön glänzt und so schön sauber ist. Und dann steht man halt ziemlich blöd da mit einer scharfen Bombe in der Hand. Aber hey, der Splint war schon geil damals. Der Vergleich hinkt. Eine Handgranate kann man im Hintergarten detonieren lassen, ohne zigtausende Menschen über Jahrzehnte zu zerstören.

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Land am Strome. Mit oder ohne Kernkraft? Foto: meiersreise.com

Und ja, Wirtschaftswunder, erhöhter Stromverbrauch, Enthusiasmus über Strom, der so schnell produziert werden kann, Wettbewerbsfähigkeit. Wenn man nicht über Zukunft jenseits der Regierungsperiode nachdenkt, machen Kernkraftwerke ja wirklich Sinn. Vielleicht dachte man aber auch, dass der kalte Krieg zu einem atomaren eskalieren würde und die radioaktiven Überbleibsel der Energiegewinnung dann nicht mehr ins Gewicht fallen würden.

Als es im Jahr 2011 Unfälle im Kernkraftwerk Fukushima gegeben hat, waren plötzlich wieder alle so: oh, böse Kernkraft. Deutschland hat den Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen. Das ist gut, dauert noch lange und bringt wieder die Problematik aufs Tapet, die sich in einem routinierten Normal-Zustand gar nicht so aufdrängt: Was tun mit den Kraftwerken, die nun abgeschaltet werden und wohin mit den radioaktiven Bestandteilen? Solange das Kraftwerk läuft, läuft es ja. „Während viele Bürger die Abschaltung befürworten, befürchten andere die Freisetzung von Strahlung durch den Abriss (…)“, wird die Mentalität der Bürger auf br.de zusammengefasst. Bloß nicht anfassen. Wir wissen ja, dass es gefährlich ist, aber kann man nicht einfach so tun als wäre nichts, bis das dann die Sache von Zukunfts-Bürgern ist? Bitte bitte.
Nein. Das ist notwendig. Es wäre zu vermeiden gewesen, aber jetzt müsst ihr euch darum kümmern. Dass ihr dabei von vielen Mittätern allein gelassen werdet, tut mir Leid. Als Österreicher sag ich aber mit vollem Ernst und wirklich glücklich: Willkommen im Klub.

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